Sonntag, 28. Dezember 2008
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Emel'e yardım eli uzatalım
Emel'e yardım eli uzatalım
Ailesiyle Berlin'de yaşayan 27 yasındaki genç anne Emel lösemi hastası. Bu kötü hastalığı yenebilmesi için acilen kök hücre / ilik nakline ihtiyacı var. Yalnız 100de yüz uyum sağlayan donör henüz bulunamadı. Kendinizden alınan 5 ml kan ile, DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei (Alman Kemik İliği Bağış Bilgi Bankası) kayıt ettirmek ve kan tahlilinden sonra kök hücreleriniz hastalarımıza uygun bulunduğunda, ilik naklinin gerçekleşmesidir.
Bu kampanya ünlü politikacılarımız Cem Özdemir ve Özcan Mutlu tarafından destekleniyor. Emel ve diğer hastalara ikinci bir hayat şansı vermek istiyorsanız, lütfen DKMS Alman Kemik Iliği Bağıs Bilgi Bankası tarafından gerçekleştirilen kampanya`ya katılın! Ateş düştüğü yeri yakmasın!
| DOKU TIPLEME GÜNÜ: Tarih: Cuma, 19 Aralık 2008 saat 10:00 bis 16:00 arası Yer: TU Berlin Glaspavillon (U-Bahnhof Ernst-Reuter- Platz) Strasse des 17. Juni 144 10623 Berlin | ----- | PARA YARDIMI: DKMS Bağış hesabı 600 001 763 2 Berliner Sparkasse BLZ 100 500 00 |
Bitte hier klicken, um zum Artikel der ha-ber.com zu gelangen (in türkischer Sprache)
Emel'e yardım eli uzatalım
Hilfe für Emel und andere!
Unter der Schirmherrschaft der Grünen-Politiker Cem Özdemir und Özcan Mutlu engagiert sich die Initiativgruppe „Hilfe für Emel und andere“ zusammen mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei für eine Aktion zur Gewinnung neuer potenzieller Stammzellspender.
Einige Mitglieder des BTBTM werden am Freitag, dem 19.12.2008 vor der TU Berlin sein und auch an der Blutspende-Aktion teilnehmen! Ihr seid herzlichst eingeladen anderen Menschen zu helfen! |
| Datum: | 19.12.08 | |||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Uhrzeit: | 10:00 - 16:00 | |||||||||||||||||||||||||||
| Veranstaltungsort: | TU Berlin Im Glaspavillon Straße des 17. Juni 144 10623 Berlin | |||||||||||||||||||||||||||
| Spendenkonto: | Empfänger: DKMS Konto-Nr.: 6000017632 Bank: Berliner Sparkasse BLZ: 10050000 Stichwort: Emel |
Hilfe für Emel und andere!
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Verprellte Talente
Die Wirtschaft klagt über den Fachkräftemangel. Dennoch wollen viele Einwandererkinder abwandern, weil sie nach ihrem Studium in Deutschland keinen Job finden
Es ist eine vorbildliche Karriere, die Cihan Batman hingelegt hat: Seine Eltern kamen als Gastarbeiter in den sechziger Jahren nach Deutschland, auf dem Gymnasium in Echterdingen bei Stuttgart war er der erste und einzige Türke, er machte ein gutes Abitur, studierte an der Universität Stuttgart technische Betriebswirtschaftslehre, arbeitete danach bei KPMG, bei der DaimlerChrysler Bank, jetzt ist er Senior Manager bei Vodafone. Gelegentlich geht er zu einem Stammtisch, dort kommen Gleichgesinnte zusammen, Deutsche türkischer Abstammung, hoch qualifiziert die meisten. Um die 300 Leute gehören zu dieser Runde, eine Gruppe, auf die Deutschland stolz sein könnte: Deutsche mit dem sperrigen Etikett »Migrationshintergrund«, die es zu etwas gebracht haben.
Der Haken dabei ist – sie sind nicht mehr in Deutschland. Sie treffen sich regelmäßig in einem Café in Istanbul, es ist ein Rückkehrerstammtisch für Deutschtürken. Sie haben Deutschland verlassen, weil sich ihnen in der Türkei die besseren Karrierechancen bieten, so wie Cihan Batman, oder weil sie in Berlin oder Köln nie heimisch wurden, sich nicht anerkannt fühlten.
Sie könnten in Zukunft viele Nachahmer finden. Sagt der Sozialwissenschaftler Kamuran Sezer. Er wertet gerade eine Umfrage unter 250 türkischstämmigen Akademikern aus, die nächste Woche veröffentlicht wird. Mit seinem Forschungsinstitut futureorg hat er sie nach ihrer Situation in Deutschland befragt. Wie sie denken, was sie wollen, wie sie leben. Eine Gruppe, über die man bisher wenig wusste, sagt Sezer, obwohl hierzulande die Zahl der Studierenden mit türkischem Hintergrund bei ungefähr 24.000 liegt.
Die Forscher wollten herausfinden, wie sehr diese sich mit Deutschland identifizieren können, und stellten dabei unter anderem die Frage: »Beabsichtigen Sie, zukünftig in die Türkei zurückzukehren?« Sie bekamen eine Antwort, die zu denken gibt: 38 Prozent antworteten darauf mit Ja. Als Grund nannten 21 Prozent berufliche Perspektiven, 42 Prozent gaben an, dass sie sich in Deutschland nicht heimisch fühlen. Dabei ist der Wunsch nach Rückkehr bei den Jüngeren, die in Deutschland geboren wurden, genauso ausgeprägt wie bei den Älteren, in der Türkei Geborenen und bei Gutverdienenden genauso groß wie bei Geringverdienern, berichtet Sezer. Und sagt: »Bildung führt also nicht automatisch zu gelungener Integration, sie erhöht nur deren Wahrscheinlichkeit.« Dazu passt, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die deutsche Integrationspolitik als unglaubwürdig einstuft. [...]
Soner Süral kennt solche Klagen zuhauf. Der Student der Computerlinguistik ist Geschäftsführer des Berliner Studenten- und Akademikervereins BTBTM. Er berät unter anderem Bildungsin- und -ausländer in Sachen Studium. Deren Stimmungslage fasst er in einem Bild zusammen: Oft fühle man sich hier wie »ein Tropfen Olivenöl in einem Glas Wasser. Es vermischt sich nichts.« Der Weg zu einem Wir in Deutschland ist noch weit. Süral sagt: »Man muss den Leuten früher vermitteln, dass man sie braucht, dass man will, dass sie hierbleiben.« [...]
Ein bizarres Labyrinth von Anerkennungsstellen
Mittlerweile beschäftigt dieser Bildungsabsturz auch die Politik. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte des Bundes, hat eine Studie namens Brain Waist in Auftrag gegeben. Demnach finden gerade einmal 16 Prozent der befragten Einwanderer aus Osteuropa einen Job in ihrer Branche, obwohl die meisten über eine Ausbildung oder ein Studium verfügen.
Die Untersuchung offenbart ein bizarres Labyrinth von Anerkennungsstellen und Zulassungsverordnungen, in dem sich nicht einmal deutsche Beratungseinrichtungen zurechtfinden, geschweige denn die Zuwanderer selbst. Mal ist der Bund zuständig, mal sind es die Länder. Brain Waist berichtet von Bewerbern, die sich bei vier Stellen über die Anerkennung ihres akademischen Abschlusses informierten – und vier unterschiedliche Antworten bekamen.
Auf dem Bildungsgipfel haben Bund und Länder eine bessere Beratung der Betroffenen versprochen. Maria Böhmer fordert darüber hinaus für jeden Zugewanderten eine schnelle und bundesweit einheitliche Prüfung seiner Qualifikationen. Dass die Politik rasch handeln sollte, beweist eine Beobachtung von Galina Suppes. Sie berichtet, dass immer mehr Russlanddeutsche der vierten Generation überlegen, ihre berufliche Zukunft in Russland zu suchen. »Sie glauben, dass ihre Chancen auf einen guten Job dort größer sind«, sagt sie. Als Deutscher sei man dort zudem hoch angesehen. In Russland würden sie so finden, was ihre Eltern in Deutschland gesucht, aber nicht gefunden haben: Anerkennung und beruflichen Erfolg.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
Beruf
Von Arnfrid Schenk und Martin Spiewak
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Verprellte Talente
Montag, 10. November 2008
„Das werden nette Türken“ - Deutschkurse in Istanbul
10. November 2008 Sie ist zwanzig, sagt sie. Ihr Mann hat gerade noch gesagt, sie sei 21. Wahrscheinlich hat er recht - und sie wieder die deutschen Zahlen durcheinandergebracht. Natürlich ist sie auch nervös, gleich ist der mündliche Test. Der erste Teil eben lief gar nicht gut: schreiben, lesen, verstehen.
Hüriyet Özpolat sitzt in der Cafeteria im ersten Stock des Goethe-Instituts und geht den Stoff der vergangenen zwei Monate noch mal durch. Sie wird sich vorstellen müssen. Wie heißt du, wie alt, was sind deine Hobbys? Neben ihr sitzt ihr Mann, Eser Özpolat, und drückt ihre Hände. Er spricht fast perfekt Deutsch. Der Dreiundzwanzigjährige lebt seit 15 Jahren in Elmshorn bei Hamburg, arbeitet in einem griechisch-italienischen Restaurant auf der Reeperbahn. Er hat einen deutschen Pass, fühlt sich als Deutscher, er mag das Land. Nun will er seine Frau nach Hause holen. Sie ist im vierten Monat schwanger. [...]
Ein Tag zuvor, die letzte Unterrichtsstunde. „Bitte - telefonieren - Sie - hier - nicht“, spricht die Lehrerin Gülseren Güleryüz-Karahan vor. Bei „bitte“ hebt sie den Zeigefinger, dann macht sie mit Daumen und kleinem Finger ein Telefonzeichen. Die Klasse spricht nach, mühsam. „Bitte“ und „natürlich“ scheinen die wichtigsten Vokabeln zu sein. „Das werden nette Türken“, sagt Güleryüz-Karahan später im Lehrerzimmer und lacht. Sie ist in Essen geboren und vor anderthalb Jahren nach Istanbul gezogen, mit ihrem Mann. „Ich bin eine Exportbraut“, sagt die Dreiunddreißigjährige und lacht wieder.
Das Mindestalter wurde auf 18 Jahre festgesetzt
Die kleine Lehrerin fand in der Türkei schnell einen Job, weil die Politiker in Deutschland das Zuwanderungsgesetz verabschiedet haben. 367 Vertreter von unterschiedlichsten Verbänden hatte Angela Merkel zum Nationalen Integrationsgipfel geladen. Seit einem Jahr müssen nun Ausländer, die zum Ehepartner oder Verlobten ziehen wollen, einen Deutschtest absolvieren. Das Mindestalter beim „Ehegattennachzug“, wie das im Amtsdeutsch heißt, wurde auf 18 Jahre festgesetzt. Die Politik wollte damit auch die Rechte der Frauen stärken und Zwangsverheiratungen erschweren. Seither haben deutsche Auslandsvertretungen deutlich weniger Visa an Ehepartner ausgestellt. Anfangs ging die Zahl um zwei Drittel zurück, zwischen April und Juni dieses Jahres um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Türken sind am meisten betroffen: Von 40.000 nachziehenden Partnern kamen 2007 ein Viertel aus der Türkei. [...]
„Ja, ich Türke, Türke“
Die Schüler verschwinden in die Klassen, die Verwandten müssen vor die Tür. Ein älterer Herr steht da und findet das alles „einen Schmarrn“. Der Mann mit dem Schnurrbart, der seinen Namen nicht nennen will, arbeitet seit Jahrzehnten bei Audi in Ingolstadt. Er begleitet seine Schwiegertochter, der Test sei viel zu schwer. Und überhaupt: „Warum müssen den Türken machen, Japaner und Amerikaner aber nicht?“ Es ist die gleiche Frage, die auch der Europäische Gerichtshof gestellt hat, weshalb die Regelungen derzeit geprüft werden.
Neben dem Mann aus Ingolstadt steht Hassan Özgal, 59, der seit dreißig Jahren in Duisburg lebt und kaum Deutsch spricht. Ob es ihm wichtig sei, dass seine Kinder Türken heiraten? Er versteht nur „Türke“. „Ja, ich Türke, Türke.“ Dann sagt er, dass ihm das gar nicht so wichtig ist. Das sei alles viel lockerer geworden, sagt er ruhig und freundlich.
Bewegen, riskieren, bestehen, aussehen
Später, während der mündlichen Prüfung, drängeln sich die Verwandten im Treppenhaus. Dort hängt das Bild eines jungen Mädchens, das sich vor einem Spiegel schminkt. „Bewegen, riskieren, bestehen, aussehen, seinen Stil finden, anziehen, suchen“, steht darauf, darunter: „Goethe-Institut“.
Nihal Gökmen ist als Erste fertig. Sie lächelt zufrieden, Atilla drückt sie. Später erfährt sie: 71 Punkte von hundert, sechzig waren Pflicht: „befriedigend“.
Eser Özpolat hält es kaum aus. Als eine halbe Stunde später der Aufzug runterkommt, nimmt er seine Frau in den Arm, beide lächeln. Gut sei es gelaufen, sagt sie. Eser küsst sie links und rechts auf die Wange, dann nimmt er ihre Hand und geht mit ihr raus.
Einen Tag später der Anruf im Institut. Eser ist schockiert. „Wir haben verloren“, sagt er am Telefon. Nur vierzig Punkte. Das heißt: wieder wochenlanges Lernen, wieder warten bis zum nächsten Test, bis zur dritten Chance. Eser lächelt trotzdem. Er ist ein stolzer werdender Vater. Der immer noch hofft, dass das Kind im nächsten Frühjahr in Deutschland zur Welt kommt.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.
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„Das werden nette Türken“ - Deutschkurse in Istanbul
Sonntag, 26. Oktober 2008
Migrantenkinder schnuppern Uniluft
25.10.2008 0:00 Uhr
In dem Verein sind Studenten unterschiedlicher Herkunft, darunter angehende Lehrer, die an der TU Berlin studieren. Viele von ihnen sind Deutschtürken. „Sie sprechen nicht nur mehrere Sprachen, sondern verstehen auch die Mentalität anderer Kulturen“, sagt Funda Takir, Mitglied des Vereins und eine der Organisatorinnen des Projektes „Zweite Generation“. Damit will der Verein den Migrantenkindern – speziell Gymnasiasten – in sieben Fächern helfen.
Im Jahr 2006 bescheinigte die Pisa-Studie dem deutschen Schulsystem, dass es die Kinder von Migranten nur mangelhaft integriert. Deutschland gehört zu den Staaten, in denen die Leistungsunterschiede zwischen Schülern mit Migrationshintergrund und einheimischen Schülern am stärksten ausgeprägt sind.
Auch eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bestätigt diese Einschätzung: Jeder dritte Migrant in Berlin ist erwerbslos. Mehr als 40 Prozent sind von Sozialleistungen abhängig. Generell ist in den deutschen Großstädten die Arbeitslosigkeit unter den Migranten doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Ursache für ihre schlechten Chancen ist vor allem ihre ungenügende berufliche Qualifikation. Besonders betroffen sind türkischstämmige Jugendliche. Drei von vier Türken in Berlin haben keinen Schulabschluss.
Der türkische Akademikerverein an der TU Berlin erkannte die Defizite für Schüler nichtdeutscher Herkunft bereits vor Jahrzehnten. Mit dem Projekt „Zweite Generation“ gewann er 1992 eine Ausschreibung des Berliner Senats. Seither wird es vom Berliner Migrationsbeauftragten subventioniert. Dieses Geld allein reicht nicht aus, deshalb müssen die Schüler 35 Euro pro Halbjahr zahlen. Aufgrund von Kürzungen sind die Subventionen immer geringer geworden. In ehrenamtlicher Arbeit organisieren und koordinieren die Mitglieder des Vereins das Projekt.
Funda Takir erinnert sich an ihre Zeit, als sie als Schülerin an dem Projekt teilnahm: „Ich muss zugeben, ich stand damals in Mathe sehr schlecht. Ich dachte immer, ich sei zu dumm dafür“, erzählt sie. „Mit dem Ergänzungsunterricht habe ich mich innerhalb weniger Wochen um zwei Noten verbessert. An der TU Berlin wurde mein mathematisches Talent erkannt und gefördert. Jetzt studiere ich hier Mathematik und unterrichte selbst.“
Rund 200 Schüler nehmen derzeit an dem Unterricht teil, statt abends vor dem Fernseher zu sitzen. Die Studenten geben nicht einfach nur Nachhilfe, vielmehr wird der Schulunterricht ergänzt. Die künftigen Lehrer richten ihr Programm nach dem Berliner Rahmenplan und stützen sich dabei auf pädagogische Konzepte.
Auch die Studenten profitieren vom Ergänzungsunterricht. An der Universität werde zu wenig Unterrichtspraxis vermittelt, berichten sie. Hier könne man sich ausprobieren. Im April 2007 gewann das Projekt einen Preis für ziviles Engagement. Im Dezember 2007 verlieh Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, dem Verein die „Berliner Tulpe für deutsch-türkischen Gemeinsinn“. „Wir haben uns sehr über diese Preise gefreut und hoffen, dass unser Modell Nachahmer findet“, sagt Takir. Vanessa Bohórquez Klinger
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.10.2008)
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Migrantenkinder schnuppern Uniluft
Freitag, 12. September 2008
Lehrer lassen arme Kinder zu selten ans Gymnasium
Zum Ende der Grundschulzeit gibt es eine folgenschwere Entscheidung: Die Wege der Viertklässler trennen sich, die Lehrer empfehlen, wer künftig das Gymnasium, die Real- oder Hauptschule besuchen soll. Das soll der Klassenleiter nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden - streng nach Noten und Eignung des Kindes. Soweit die Theorie.
Und die Praxis? Die sieht ganz anders aus. Eine Studie der Mainzer Gutenberg-Universität bestätigt nun, worauf Bildungsexperten seit Jahren hinweisen: Aufs Gymnasium schaffen es in erster Linie die Privilegierten, nämlich Kinder gut betuchter Akademiker. Schüler aus einer niedrigen sozialen Schicht haben weitaus schlechtere Karten beim Schulübergang. Und zwar auch bei gleicher Leistung.
Die Forscher vom Mainzer Institut für Soziologie sammelten Daten an allen 35 staatlichen Grundschulen in Wiesbaden, rund 2000 Schüler aus über hundert Klassen wurden befragt. Neu an der Studie ist vor allem, dass sie die Faktoren für die Schulempfehlungen in eine eindeutige Reihenfolge rückt. Demnach liegt es stark an Bildung und Sozialstatus der Eltern, ob ein Kind es aufs Gymnasium schafft oder nicht.
Soziale Herkunft entscheidet über Bildungslaufbahn
"Vor allem die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht hat Auswirkungen auf die Schulnoten der Kinder und auf den Bildungswunsch der Eltern", sagte Stefan Hradil, Soziologe und Leiter der Untersuchung, SPIEGEL ONLINE. "Der wichtigste Prediktor ist und bleibt zwar die Note. Neu ist, dass Lehrer offensichtlich schicht- und ethnienspezifische Empfehlungen aussprechen."
Dass da was schief läuft in Deutschlands Schulwesen, ist an sich nicht neu. Das frühe Sortieren und Sieben hat eine starke Tradition - Scheitern und Schule sind Zwillinge. Das Schulsystem produziert Verlierer, die sammeln sich vor allem in den Hauptschulen.
Schon die Iglu-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte 2004, dass Kinder wohlhabender Eltern den Vorzug vor Viertklässlern aus niedrigeren Schichten bekommen. Insgesamt erhalte fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler nach der vierten Klasse falsche Schulempfehlungen, urteilte Bildungsexperte Wilfried Bos nach der Iglu-Veröffentlichung. Das sei ein "bildungspolitischer Skandal", weil beim Übergang zu weiterführenden Schulen eine "soziale Auslese" stattfinde. Dabei solle die Schule genau diese Differenzen ausgleichen, zürnte damals der Forscher.
Heute hält die Hälfte der Deutschen das Bildungssystem für ungerecht. Und das Beispiel Wiesbaden liefert dafür starke Indizien. Man könne die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf ganz Deutschland übertragen, schränkt Hradil wissenschaftlich korrekt ein. Doch er geht von einer ähnlichen Situation anderswo aus: "Warum sollte es in anderen Städten in Deutschland anders sein als bei dieser Vollerhebung?"
In Zahlen wirkt das Ergebnis wie ein Zeugnis krasser Diskriminierung: Bei gleich guter Schulnote (2,0) erhielten nur drei von vier Kindern aus der niedrigsten Einkommens- und Bildungsgruppe eine Empfehlung für die höchste Schulausbildung. Dagegen sollten von den Kindern mit wohlhabenden und gebildeten Eltern 97 Prozent aufs Gymnasium - so gut wie alle also.
Oberschichtler auf der Hauptschule? Fast nie
Lässt man die Noten statistisch außen vor, zeigt sich, dass Kinder aus der Oberschicht ohnedies fast immer eine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten: 81 Prozent aus dieser Gruppe wollten die Wiesbadener Klassenlehrer auf die höchste Schule schicken. Aus armen, bildungsfernen Familien sahen die Lehrer nur 14 Prozent der Kinder für gymnasiumstauglich an.
"In der Oberschicht kommt eine Hauptschulempfehlung nahezu nicht mehr vor", notierten die Forscher. Dass mindestens ein Elternteil das Abitur hat, ist der entscheidende Faktor dafür, ob auch der Sohn oder die Tochter aufs Gymnasium soll. "Das Einkommen der Eltern spielt zwar auch eine Rolle, noch bedeutender ist aber ihr Bildungsniveau", so Hradil.
Bemerkenswert sind auch die Wiesbadener Befunde zu Einwandererkindern. Als Schüler mit "Migrationshintergrund" stuften die Wissenschaftler alle ein, von denen mindestens ein Elternteil oder das Kind selbst nicht in Deutschland geboren wurde. Aus dieser Gruppe leben "rund 45 Prozent in Armut", bei den Grundschülern ohne Migrationshintergrund nur 17 Prozent.
Die Schulempfehlung wird fast immer Realität
Bei den Schulempfehlungen schnappte die Falle dann zu. Die Annahme, Lehrer würde Einwandererkinder schon wegen ihrer Abstammung diskriminieren, wiesen die Forscher um Hradil indes zurück. Zwar werde nur der Hälfte dieser Kinder eine gymnasiale Laufbahn vorgeschlagen (Schüler ohne Migrationshintergrund: zwei Drittel). Dieser Abstand gehe aber fast vollständig auf die schlechtere Einkommens- und Bildungsposition der Eltern zurück: "Die schlechteren Bildungschancen von Migranten sind also letztlich ein Unterschichtenphänomen", so Hradil.
Intensiv widmeten sich die Wissenschaftler auch der Notengebung. Beispiel Mathematik: Kinder aus der bildungsfernen Unterschicht sind in diesem Schlüsselfach deutlich schlechter als Oberschichtkinder, und zwar um eine ganze Notenstufe. Unterschichtsmädchen fallen hinter den höheren Töchtern sogar um 1,4 Notenstufen zurück.
Dagegen liegen Kinder mit mindestens einem ausländischen Elternteil nur um 0,2 bis 0,3 Notenstufen hinter Viertklässlern mit Eltern deutscher Herkunft. Migration allein muss demnach noch keineswegs zu schulischen Sorgen führen. Unheil droht vor allem, wenn in Familien geringe Bildung, niedriges Einkommen und ausländische Abstammung zusammenkommen - als Ursachen orten die Mainzer Forscher "unbewusste Diskriminierung durch die Klassenlehrer oder unterschiedliche Bildungswünsche der Eltern".
Nach Beginn des nächsten Schuljahres fragten die Wissenschaftler noch einmal, was aus den Empfehlungen wurde. Klares Ergebnis: Fast immer befolgen die Eltern den Rat des Klassenlehrers für die weitere Schullaufbahn - ob richtig oder falsch, die Empfehlungen setzen sich also beinahe eins zu eins durch. Damit sei auch der tatsächliche Übertritt ans Gymnasium "nicht leistungsgerecht", urteilen die Mainzer Forscher.
Lehrer lassen arme Kinder zu selten ans Gymnasium